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Seismische Tomographie (Refraktion/Reflexion) – Untergrundmodelle für Wiesbaden

Der Taunusquarzit und die tertiären Tone des Mainzer Beckens treffen in Wiesbaden aufeinander – ein geologischer Übergang, der den Untergrund schwer berechenbar macht. Wer hier baut, braucht ein belastbares Geschwindigkeitsmodell. Die seismische Tomographie liefert genau das: ein hochaufgelöstes 2D-Profil der Kompressions- und Scherwellengeschwindigkeiten. In der hessischen Landeshauptstadt mit ihren 280.000 Einwohnern und den teils steilen Hanglagen am Taunusrand entscheidet diese Information über Gründungstiefe und Baugrubensicherung. Unser Team kombiniert die seismische Tomographie in Wiesbaden routinemäßig mit der SPT-Bohrung, um seismische Geschwindigkeiten direkt mit Lagerungsdichten zu kalibrieren, und ergänzt dies durch MASW, wenn ein kontinuierliches Vs-Profil bis 30 Meter Tiefe gefordert ist. Die Messkampagnen werden so ausgelegt, dass Störzonen im Übergang vom kristallinen Grundgebirge zum Lockergestein sicher erkannt werden. Die Auswertung erfolgt nach ASTM D5777, ergänzt um die Vorgaben der DIN 19700 für Bauwerke in Hanglage.

Tomographie zeigt nicht nur Schichtgrenzen, sondern macht Geschwindigkeitsanomalien sichtbar – der direkteste Hinweis auf verwitterte Zonen und Kluftsysteme im Taunusquarzit.

Ablauf und Umfang

Ein Ingenieurbauwerk an der Schiersteiner Straße stand vor einem klassischen Wiesbadener Problem: unterhalb von fünf Metern quartärem Kies begann unvermittelt stark geklüfteter Quarzit mit einzelnen Tonlinsen. Eine reine Bohrerkundung hätte die seitliche Ausdehnung der Tonlinsen nie erfasst. Die seismische Tomographie – hier als Refraktionsmessung über drei Profillinien mit 120 Metern Länge – zeichnete die Grenzfläche zwischen Kies und Fels auf fünf Zentimeter genau nach. Die Scherwellen-Reflexionsseismik detektierte zudem eine zweite, tiefere Diskontinuität bei 14 Metern, die später als wasserführende Kluft bestätigt wurde. Solche Befunde sind typisch für den Süden Wiesbadens, wo die Sedimente des Mainzer Beckens diskordant auf dem Grundgebirge liegen. Bei sehr heterogenen Untergründen lassen wir die Ergebnisse tomographischer Profile direkt in eine Baugrundverbesserung mittels Rüttelverdichtung einfließen, um Setzungsmulden präventiv zu eliminieren. Die Datenakquisition erfolgt mit 24-Kanal-Seismographen und Vertikalgeophonen bei 4,5 Hz Eigenfrequenz. Jeder Schusspunkt wird dreifach gestapelt, um das Signal-Rausch-Verhältnis im urbanen Umfeld mit Straßenbahn- und Verkehrslärm auf über 20 dB zu heben.
Seismische Tomographie (Refraktion/Reflexion) – Untergrundmodelle für Wiesbaden

Standortspezifische Faktoren

Wiesbaden liegt in der Erdbebenzone 1 nach DIN EN 1998-1/NA, mit Bemessungsbeschleunigungen um 0,4 m/s² – auf den ersten Blick moderat. Die eigentliche Gefahr steckt im Untergrund: die tiefgründig verwitterten Phyllite und Quarzite des Taunus können bei dynamischer Belastung Steifigkeitsverluste von über 30 % erleiden. Hangparallele Kluftsysteme mit Einfallen von 25–40° sind im Stadtgebiet mehrfach kartiert. Ein unzureichendes Untergrundmodell führt dann zu Baugrubenversagen oder ungleichmäßigen Setzungen. Die seismische Tomographie in Wiesbaden kartiert diese Strukturen, bevor der erste Bagger anrollt. Besonders kritisch sind die Auelehme entlang des Salzbachs: sie erreichen Mächtigkeiten von 6 bis 9 Metern und zeigen Vs-Werte unter 180 m/s – ein klarer Indikator für setzungsempfindlichen Baugrund. Mit der seismischen Tomographie lassen sich diese weichen Lagen lateral abgrenzen und in der Gründungsplanung gezielt umgehen oder durch Tiefgründungen mit Pfählen überbrücken.

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Referenznormen

ASTM D5777-18 (Seismic Refraction), DIN EN 1998-1:2010-12 (Erdbebenzone 1, Wiesbaden), DGGT Empfehlung Nr. 4 – Seismische Verfahren

Ergänzende Leistungen

01

Refraktionstomographie

Kartierung der Felsoberkante und Verwitterungszone. Profillängen 60–250 m. Geschwindigkeits-Tiefen-Modell mit Tomogramm-Darstellung. Ideal zur Gründungsoptimierung im Hang.

02

Reflexionsseismik (High-Res)

Abbildung tieferer Diskontinuitäten und Kluftzonen unterhalb der Refraktionsreichweite. Einsatz von 48–96 Kanälen für vertikale Auflösung im Dezimeterbereich.

03

Vs30-Bestimmung (Kombination)

Kombination von Refraktions- und Oberflächenwellen-Seismik zur Ermittlung des Baugrundtyps nach DIN EN 1998-1. Direkt verwendbar für den rechnerischen Erdbebennachweis.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
VerfahrenRefraktion (Tiefe ≈ 1/5 Profillänge); Reflexion (Auflösung λ/4)
Messtiefe Refraktion15–40 m (Standard), >50 m mit Sprengquellen
Messtiefe Reflexion5–200 m je nach Quellsignal und Geophonabstand
Geophonabstand1–5 m (Refraktion); 0,5–2 m (Reflexion)
QuelleVorschlaghammer 8 kg; beschleunigte Fallmasse 50 kg; Sprengkapsel
Kanäle24–48 (Refraktion); bis 96 (Reflexion, high-resolution)
AuswertesoftwareRayfract, ReflexW, SeisImager (Tomographie-Inversion)
NormASTM D5777-18; DIN EN 1998-1 (Vs30-Bestimmung)

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine seismische Tomographie in Wiesbaden?

Die Kosten für eine seismische Refraktions- oder Reflexionsmessung in Wiesbaden liegen typischerweise zwischen €2.720 und €5.300. Der Preis hängt von der Profillänge, der Anzahl der Profillinien und dem Aufwand für die Zugänglichkeit im urbanen oder bewaldeten Gelände ab. Kurze Profile bis 60 Meter mit Hammerquelle liegen am unteren Ende, längere Profile mit Fallmasse oder Sprengquelle erreichen den oberen Bereich.

Welche Tiefe erreicht die seismische Refraktion im Taunusquarzit?

Im kompakten Taunusquarzit erreichen wir mit einer 120-Meter-Aufstellung und beschleunigter Fallmasse zuverlässig Eindringtiefen von 25 bis 30 Metern. Mit Sprengquellen sind über 50 Meter möglich. Entscheidend ist der Geschwindigkeitskontrast: verwitterter Quarzit (1.800–2.500 m/s) gegenüber frischem Fels (3.500–5.000 m/s) liefert eine klare Refraktionsgrenze.

Kann die Tomographie Hohlräume oder Störungszonen erkennen?

Ja, die seismische Tomographie detektiert Zonen mit erniedrigter Geschwindigkeit, die auf tektonische Störungen, Verkarstung oder Verwitterung hinweisen. In der Reflexionsseismik werden Diskontinuitäten direkt abgebildet. Im Wiesbadener Stadtgebiet wurden auf diese Weise mehrfach hangparallele Kluftscharen aufgeschlossen, die in Bohrungen allein unentdeckt geblieben wären.

Wie lange dauert eine Messkampagne in Wiesbaden?

Eine typische Refraktionsmessung mit zwei Profilen von je 100 Metern Länge wird an einem Feldtag durchgeführt. Die Datenauswertung mit tomographischer Inversion benötigt weitere drei bis fünf Arbeitstage. Der Bericht mit interpretierten Profilschnitten und Geschwindigkeitsmodell liegt dann innerhalb von zehn Werktagen nach Messende vor.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Wiesbaden und Umgebung.

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