Wiesbaden ist geotechnisch ein besonderer Fleck: Die Hanglagen des Taunusrands mit ihren verwitterten Schiefern und Quarzitbändern treffen im Talkessel auf quartäre Kiese und mächtige Auenlehme, die der Rhein und der Salzbach über Jahrtausende abgelagert haben. Dazu kommt das lokale Klima mit über 600 mm Jahresniederschlag, das die Wassersättigung im Boden und damit den Porenwasserdruck spürbar treibt. Genau hier setzt der Triaxialversuch an: Statt pauschaler Tabellenwerte, die bei dieser geologischen Vielfalt oft danebenliegen, messen wir drainierte und undrainierte Scherfestigkeiten unter den Spannungszuständen, die später unter dem Bauwerk tatsächlich wirken. Gerade wenn im Wiesbadener Nordosten auf den Phylliten des Vordertaunus eine Böschungsstabilität nachzuweisen ist, reichen einfache Rahmenscherversuche nicht aus, um die Anisotropie des geklüfteten Fels sinnvoll abzubilden.
Ein Triaxialversuch in Wiesbadener Tertiärtonen zeigt oft Kohäsionen, die nach Regen um 30 % abfallen – wer nur im Sommer erkundet, rechnet sich die Standsicherheit schön.
Ablauf und Umfang
Standortspezifische Faktoren
Ein Muster, das uns in Wiesbaden immer wieder begegnet: Bei Hanggrundstücken oberhalb von Sonnenberg wird der Baugrund im Sommer erkundet, wenn die Verwitterungsdecke trocken und scheinbar standfest ist. Der Triaxialversuch unter konsolidiert-drainierten Bedingungen liefert dann einen Reibungswinkel von vielleicht 32 Grad und eine Kohäsion von 10 kPa. Kommt der erste niederschlagsreiche Winter mit gesättigtem Boden, baut sich der Kapillarkohäsion ab und der Winkel rutscht auf 27 Grad. Genau deshalb protokollieren wir den Sättigungsgrad vor Versuchsbeginn und fahren bei kritischen Projekten einen zweiten Zylinder wassergesättigt – das kostet einen Tag mehr, verhindert aber den gefährlichen Fehlschluss, der später im Aushub-Monitoring sichtbar wird, wenn die Böschung kriecht. Bei Baugruben in den Auenlehmen von Schierstein ist der undrainierte Versuch ohnehin Pflicht, weil dort mit Bauzeit und Aushubtiefe die Konsolidierung nicht Schritt hält.
Referenznormen
DIN 18137-2:2020-12 (Triaxialversuch), DIN EN ISO 17892-8:2018-07 (Laborversuche an Bodenproben), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen), Eurocode 7: DIN EN 1997-2:2010-10, DIN EN ISO 22475-1:2021-06 (Probennahme)
Ergänzende Leistungen
Kombinierte Scherversuche für bindige Böden
Neben dem Triaxialversuch setzen wir bei steifen Tonen auf Rahmenscherversuche nach DIN 18137-3 und ergänzen die Ergebnisse um Flügelscherversuche vor Ort, wenn die Empfindlichkeit des Bodens gegenüber Störungen abgeschätzt werden muss.
Kompressions- und Konsolidationsversuche
Für Setzungsprognosen in den kompressiblen Auenlehmen von Biebrich und Schierstein führen wir Ödometerversuche durch und leiten daraus Steifemoduln ab, die zusammen mit den Triaxialdaten in die FE-Berechnung der Gründung einfließen.
Beratung zu erweiterten Bruchkriterien
Wenn die einfache Mohr-Coulomb-Gerade nicht ausreicht, etwa bei stark vorbelasteten Tonen oder geklüftetem Fels, werten wir die Spannungspfade aus und diskutieren mit dem Tragwerksplaner, ob ein Hoek-Brown- oder Cam-Clay-Modell das Tragverhalten realistischer abbildet.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Triaxialversuch in Wiesbaden?
Für einen einzelnen Triaxialversuch nach DIN 18137-2 (CD, CU oder UU) mit drei Zylindern sollten Sie je nach Probenvorbereitung und Sättigungsgrad mit einem Aufwand zwischen €1.650 und €2.420 rechnen. Der genaue Betrag hängt davon ab, ob der Boden stark vorbelastet ist und wie aufwändig sich die Einstellung der Konsolidierungsspannungen gestaltet. Wir erstellen Ihnen gern ein verbindliches Angebot, sobald wir die Proben gesichtet haben.
Wann brauche ich einen Triaxialversuch statt eines einfachen Rahmenscherversuchs?
Sobald der Spannungszustand im Baugrund dreidimensional wirkt oder Sie undrainierte Kennwerte für weiche, wassergesättigte Böden benötigen. In Wiesbaden trifft das auf Auenlehme mit hohem Grundwasserstand, auf tiefe Baugruben in den quartären Kiesen und auf Hanglagen zu, wo die Anisotropie des verwitterten Taunusschiefers eine Rolle spielt. Der Rahmenscherversuch erzwingt eine horizontale Scherfuge, der Triaxialversuch lässt den Bruch dort entstehen, wo er tatsächlich am schwächsten ist.
Wie lange dauert ein konsolidiert-drainierter Triaxialversuch?
Rechnen Sie mit etwa einer Woche pro Zylinder, wenn der Boden feinkörnig und die Durchlässigkeit gering ist. Die Sättigung, Konsolidierung und das langsame Abschern mit kontrolliertem Porenwasserdruck brauchen Zeit – beschleunigen lässt sich das nicht, ohne die Messwerte zu verfälschen. Wir halten Sie während der Versuchsdauer auf dem Laufenden und liefern die Mohr-Coulomb-Parameter sowie die Spannungspfade als Bericht.
