Auf einer Baustelle in der Taunusstraße, wo ein sechsgeschossiger Wohnbau entstehen sollte, stieß die Rammkernbohrung auf unerwartet wechselhafte Horizonte: tertiäre Mergel, darüber quartäre Kiese, dazwischen Linsen aus Ton. Der Bauherr brauchte Klarheit über die Schichtabfolge, ohne das Grundstück mit einem Bohrgerät zu pflastern. Genau dort setzt die Vertikale Elektrische Sondierung an. Mit VES kartieren wir den spezifischen Widerstand des Untergrunds in Wiesbaden – zerstörungsfrei, schnell und mit hoher Tiefenauflösung. Die Methode misst den scheinbaren Widerstand bei schrittweise vergrößertem Elektrodenabstand und liefert ein geoelektrisches Tiefenprofil, das als Grundlage für die Baugrunderkundung dient. In einer Stadt mit Thermalquellen und komplexer Geologie ist das ein entscheidender Vorteil.
Die VES erkennt in Wiesbadens Thermalquellenzone grundwasserführende Klüfte allein am Widerstandskontrast – völlig eingriffsfrei.
Ablauf und Umfang
- VES-Tiefe: 1 m bis über 100 m je nach Auslage
- Auflösung: horizontbezogene Widerstandskontraste ab 10 %
- Auswertung: 1D-/2D-Inversion mit RMS-Fehleranalyse
- Dokumentation: Profilschnitt, Isoohmkarte, Schichtmodell
Standortspezifische Faktoren
Zwischen dem dicht bebauten Rheingauviertel und dem Hanggarten von Sonnenberg liegen geotechnische Welten. Im Viertel nahe der Wilhelmstraße dominieren künstliche Auffüllungen mit Bauschutt und wechselnder Verdichtung – hier liefert die VES klare Hinweise auf Inhomogenitäten, die eine konventionelle Rammkernbohrung übersehen würde. In Sonnenberg dagegen stehen zerscherte Phyllite des Taunusquarzits an, deren Verwitterungsgrad stark variiert. Misst man dort mit zu kurzen Auslagen, interpretiert man Übergangswiderstände fälschlich als Grundwasserleiter. Unser Team kennt die lokalen Kalibrierdaten: In Wiesbaden müssen VES-Kurven stets mit einer Bohrlochkontrolle abgeglichen werden, weil anthropogene Einflüsse – alte Kanaltrassen, Fundamentreste der Kaiserzeit – das Feld stark verzerren können. Ohne diesen Abgleich drohen Fehlinterpretationen der Schichtgrenzen.
Referenznormen
DIN 50929-3 – Korrosionswahrscheinlichkeit metallischer Werkstoffe bei Außenkorrosion, ASTM D6431-18 – Standard Guide for Using the Direct Current Resistivity Method, DIN EN 1997-2 (Eurocode 7) – Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DGGT-Empfehlung Nr. 14 – Geophysikalische Erkundung im Baugrund
Ergänzende Leistungen
VES-Tiefensondierung für Baugrundgutachten
Kartierung von Schichtgrenzen, Grundwasserleitern und Störzonen mittels Schlumberger-Sondierung. Inklusive 1D-Inversion und geologischem Schichtenmodell, abgestimmt auf die Wiesbadener Geologie mit ihren tertiären Tonen und quartären Kiesen.
Widerstandsprofilierung für Gründungsplanung
Flächenhafte Messung mit konstantem Elektrodenabstand zur Detektion von lateralen Inhomogenitäten – etwa bei der Planung von Streifenfundamenten in den Auebereichen des Salzbachs oder bei Erweiterungsbauten in der historischen Innenstadt.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Vertikale Elektrische Sondierung in Wiesbaden?
Für eine VES-Messung in Wiesbaden liegen die Kosten je nach Auslagelänge und Anzahl der Sondierungspunkte zwischen €560 und €1040. Der Preis umfasst die Feldmessung, die 1D-Inversion und den Ergebnisbericht mit Schichtenprofil.
Bis zu welcher Tiefe misst die VES im Stadtgebiet Wiesbaden?
Mit einer maximalen Auslagelänge von AB/2 = 200 m erreichen wir Erkundungstiefen von rund 100 bis 120 m. In der Praxis begrenzen wir die Tiefe oft auf 30–50 m, da die quartären Lockergesteine und tertiären Mergel in Wiesbaden in diesen Bereichen die größten Widerstandskontraste zeigen.
Kann die VES Grundwasser in Wiesbadens Thermalquellenzone nachweisen?
Ja, die VES reagiert empfindlich auf den spezifischen Widerstand wasserführender Horizonte. In Wiesbadens Thermalquellenzone zeigen mineralisierte Tiefenwässer oft Widerstände unter 5 Ωm, was sie deutlich von trockenen Kiesen oder Tonen abgrenzt.
Wie lange dauert eine VES-Messung auf einer typischen Wiesbadener Baustelle?
Eine einzelne Sondierung mit Auf- und Abbau dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Bei mehreren Punkten oder langen Auslagen rechnen Sie mit einem halben Tag vor Ort. Die Auswertung und Berichterstellung nehmen zwei bis drei Werktage in Anspruch.
